Dauerschmerzen
Ständiger, anhaltender, ständig andauernder Schmerz

Ohne Schmerz ist kein Leben vorstellbar. Ein Schmerz hat primär die Aufgabe, unser Leben, unsere Gesundheit zu schützen. Ein akuter Schmerz warnt uns vor einer Gefahr. Dabei kann es sich um schädigende Einwirkungen handeln die von außen kommen, aber auch in uns selbst entstehen können.

Leider gibt es aber auch Schmerzen, die keine Warnfunktion (mehr) ausüben, sie haben sich verselbständigt und sind so zu einer Schmerzkrankheit geworden.

Dauerschmerzen, aber auch immer wiederkehrende Schmerzen sind in besonderem Maße geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören. Diagnostik und Therapie von Dauerschmerzen werden allerdings durch die Vielzahl möglicher Ursachen erschwert. Von eminenter Bedeutung ist deshalb bei Dauerschmerzen oder immer wiederkehrenden Schmerzen eine genaue Schmerzanamnese (= Erhebung der Vorgeschichte). Diese erlaubt nicht nur eine exakte Klassifikation (= Bestimmung der Schmerzart), sondern kann Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann richtungsweisend für weiterführende Untersuchungen.
Es empfiehlt sich, bei Patienten mit chronische n Dauerschmerzen bzw. ständig wiederkehrenden Schmer zen einen standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle Kriterien zu erfassen. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit sowie Angaben zur Schmerzqualität sind genau zu erfragen. Für die Therapie kann die Kenntnis spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen von großem Wert sein. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen Therapieversuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die ihm bisher keine Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden.
Erfolg oder Mißerfolg einer Schmerztherapie wird erst durch Dokumentation aller Schmerzereignisse über einen längeren Zeitraum (Schmerz -Tagebuch) beurteilbar. Wichtig ist auch die Erhebung einer biographischen Anamnese
(= Erhebung der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten), um den Einfluß psychischer Belastungen auf das Schmerzgeschehen im Sinne einer Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.

Die Behandlung von chronische n Schmer zen bzw. Dauerschmerzen wirft erhebliche diagnostische (= Erkundung der Schmerzursache), sozialmedizinische (vor allem arbeitsmedizinische) und therapeutische Probleme auf. Die Dauerschmerzen werden mit der Zeit zu einem zunehmend eigenständigen Krankheitsbild ("Schmerzkrankheit"), das wie oben erwähnt, häufig weitgehend unabhängig von Gewebsschäden die körperlichen, seelischen und sozialen Fähigkeiten des Patienten zunehmend einschränkt.

Typisch ist auf körperlicher Ebene die schmerzbedingte Zunahme der Bewegungsarmut, das Einnehmen von Schonhaltungen mit entsprechenden Fehlbelastungen der Gelenke und muskulären Strukturen sowie die Durchführung von nicht indizierten (= nicht gut begründeten) operativen Eingriffen (iatrogene Schädigung (= vom Arzt verursacht Schädigung)).

Auf seelisch-emotioneller Ebene spielen bei Patienten mit chronische n Schmer zen bzw. Dauerschmerzen vor allen Dingen depressive Verstimmungen, das Gefühl einer zunehmenden Ohnmacht, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Angst vor weiteren Einschränkungen eine entscheidende Rolle. 
Bei länger anhaltenden, chronische n Dauerschmerzen bilden sich zudem vegetative
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Beschwerden wie vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe, Tachykardien (= schneller Puls), Ein- und Durchschlafstörungen, Sodbrennen und Globusgefühl (= "Kloßgefühl im Hals") aus.

Die zwischenmenschlichen (sozialen) Einschränkungen beziehen sich sowohl auf das familiäre Umfeld als auch auf den Freundeskreis und die Arbeitswelt. Durch die o.g. Leistungseinschränkungen wird eine gleichberechtigte Interaktion häufig verhindert und der chronisch Schmerzkranke sieht sich häufig mit Konflikten in der Familie, im Arbeitsverhältnis sowie im Freundeskreis konfrontiert. Am Ende kann das zu einem weitgehenden Rückzug und zu erheblichen finanziellen Problemen führen.

Aufgrund dieser komplexen Problematik entstand zunehmend das Bedürfnis nach einer zusätzlichen Qualifikation zur Betreuung dieser Patienten mit Dauerschmerzen. 1996 wurde von der Bundesärztekammer in Deutschland die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" verabschiedet. Diese Zusatzqualifikation kann von patientenorientierten Fachärzten erworben werden und setzt eine 80-stündige standardisierte theoretische Weiterbildung sowie die hauptamtliche ganztägige Arbeit in einem Ausbildungszentrum für "Spezielle Schmerztherapie" (Schmerzklinik) für mind. 1 Jahr voraus. Die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" wird erst nach einer mündlichen Prüfung seitens der Landesärztekammer vergeben. Leider gibt es immer noch Bundesländer, in denen die Landesärztekammer die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" trotz der Empfehlung der Bundesärztekammer noch nicht eingeführt hat.

Die "Spezielle Schmerztherapie" ist aufgrund der Beeinträchtigung sowohl körperlicher als auch seelischer und sozialer Fähigkeiten durch eine chronische Schmerzerkrankung auf multimodale Therapiekonzepte ausgelegt. D.h., daß bei Dauerschmerzen neben körperlichen Therapien wie Medikamente (Analgetika, Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung), Psychopharmaka), Spritzentherapien, Krankengymnastik, anderen körperlichen Anwendungen (z.B. Chirotherapie, Akupunktur) auch psychologische Verfahren zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden sollten. Hierbei haben sich bei Dauerschmerzen insbesondere Entspannungstechniken (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training) sowie die Auseinandersetzung mit Verfahren der Schmerzbewältigung als sinnvoll herausgestellt.

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