Dauerschmerzen
Ständiger, anhaltender, ständig andauernder
Schmerz
Ohne Schmerz ist kein Leben vorstellbar. Ein Schmerz hat primär die Aufgabe, unser Leben, unsere Gesundheit zu schützen. Ein akuter Schmerz warnt uns vor einer Gefahr. Dabei kann es sich um schädigende Einwirkungen handeln die von außen kommen, aber auch in uns selbst entstehen können.
Schmerz aufgrund "äußerer"
Schädigungen: mechanische, chemische, thermische oder inhalative (=
durch Einatmung hervorgerufene) Verletzungen
Schmerz aufgrund "innerer" Schädigungen: En tzündungen, Durchblutungsstörungen, Tumore, Krämpfe, Entstehung von krankhaften Stoffwechselprodukten
Leider gibt es aber auch Schmerzen, die keine Warnfunktion (mehr) ausüben, sie haben sich verselbständigt und sind so zu einer Schmerzkrankheit geworden.
Dauerschmerzen, aber auch immer
wiederkehrende
Schmerzen
sind in besonderem Maße
geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören.
Diagnostik und Therapie von Dauerschmerzen werden allerdings durch die Vielzahl
möglicher Ursachen erschwert. Von
eminenter Bedeutung ist deshalb bei Dauerschmerzen oder immer wiederkehrenden
Schmerzen
eine genaue Schmerzanamnese
(=
Erhebung der Vorgeschichte). Diese erlaubt nicht
nur eine exakte Klassifikation (=
Bestimmung der Schmerzart), sondern kann
Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann richtungsweisend
für weiterführende Untersuchungen.
Es empfiehlt sich, bei Patienten mit chronische n Dauerschmerzen bzw. ständig wiederkehrenden
Schmer zen
einen standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle
Kriterien zu erfassen. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit
sowie Angaben zur Schmerzqualität sind genau zu erfragen. Für die Therapie
kann die Kenntnis spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen von großem
Wert sein. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen
Therapieversuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die
ihm bisher keine Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden.
Erfolg
oder Mißerfolg einer
Schmerztherapie wird
erst durch Dokumentation aller Schmerzereignisse über einen längeren
Zeitraum (Schmerz -Tagebuch) beurteilbar. Wichtig ist auch die Erhebung
einer biographischen Anamnese (= Erhebung
der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten),
um den Einfluß psychischer Belastungen auf das Schmerzgeschehen im Sinne einer
Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.
Die Behandlung von chronische n Schmer zen bzw. Dauerschmerzen wirft erhebliche diagnostische (= Erkundung der Schmerzursache), sozialmedizinische (vor allem arbeitsmedizinische) und therapeutische Probleme auf. Die Dauerschmerzen werden mit der Zeit zu einem zunehmend eigenständigen Krankheitsbild ("Schmerzkrankheit"), das wie oben erwähnt, häufig weitgehend unabhängig von Gewebsschäden die körperlichen, seelischen und sozialen Fähigkeiten des Patienten zunehmend einschränkt.
Typisch ist auf körperlicher Ebene die schmerzbedingte Zunahme der Bewegungsarmut, das Einnehmen von Schonhaltungen mit entsprechenden Fehlbelastungen der Gelenke und muskulären Strukturen sowie die Durchführung von nicht indizierten (= nicht gut begründeten) operativen Eingriffen (iatrogene Schädigung (= vom Arzt verursacht Schädigung)).
Auf seelisch-emotioneller Ebene
spielen bei Patienten mit chronische n Schmer zen bzw. Dauerschmerzen vor allen Dingen depressive Verstimmungen, das Gefühl einer zunehmenden
Ohnmacht, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Angst vor weiteren Einschränkungen
eine entscheidende Rolle.
Bei länger anhaltenden, chronische n Dauerschmerzen bilden
sich zudem vegetative (= das unwillkürliche
Nervensystem
betreffende) Beschwerden wie vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe,
Tachykardien (= schneller
Puls), Ein- und
Durchschlafstörungen, Sodbrennen und Globusgefühl (=
"Kloßgefühl im Hals") aus.
Die zwischenmenschlichen (sozialen) Einschränkungen beziehen sich sowohl auf das familiäre Umfeld als auch auf den Freundeskreis und die Arbeitswelt. Durch die o.g. Leistungseinschränkungen wird eine gleichberechtigte Interaktion häufig verhindert und der chronisch Schmerzkranke sieht sich häufig mit Konflikten in der Familie, im Arbeitsverhältnis sowie im Freundeskreis konfrontiert. Am Ende kann das zu einem weitgehenden Rückzug und zu erheblichen finanziellen Problemen führen.
Aufgrund dieser komplexen Problematik entstand zunehmend das Bedürfnis nach einer zusätzlichen Qualifikation zur Betreuung dieser Patienten mit Dauerschmerzen. 1996 wurde von der Bundesärztekammer in Deutschland die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" verabschiedet. Diese Zusatzqualifikation kann von patientenorientierten Fachärzten erworben werden und setzt eine 80-stündige standardisierte theoretische Weiterbildung sowie die hauptamtliche ganztägige Arbeit in einem Ausbildungszentrum für "Spezielle Schmerztherapie" (Schmerzklinik) für mind. 1 Jahr voraus. Die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" wird erst nach einer mündlichen Prüfung seitens der Landesärztekammer vergeben. Leider gibt es immer noch Bundesländer, in denen die Landesärztekammer die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" trotz der Empfehlung der Bundesärztekammer noch nicht eingeführt hat.
Die "Spezielle Schmerztherapie" ist aufgrund der Beeinträchtigung sowohl körperlicher als auch seelischer und sozialer Fähigkeiten durch eine chronische Schmerzerkrankung auf multimodale Therapiekonzepte ausgelegt. D.h., daß
bei Dauerschmerzen neben körperlichen Therapien wie Medikamente (Analgetika, Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung), Psychopharmaka), Spritzentherapien, Krankengymnastik, anderen körperlichen Anwendungen (z.B. Chirotherapie, Akupunktur) auch psychologische Verfahren zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden sollten. Hierbei haben sich bei Dauerschmerzen insbesondere Entspannungstechniken (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training) sowie die Auseinandersetzung mit Verfahren der Schmerzbewältigung als sinnvoll herausgestellt.Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
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