RÜCKENSCHMERZEN
Teil 2 - Fortsetzung von der Seite www.dauerschmerzen.de/rueckenschmerzen
Patienten mit
Rückenschmerzen nach Ba
ndscheiben-Operationen sind bezüglich
einer Schmerzbehandlung sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die
Problematik mit jeder weiteren Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene
typische Ablauf des Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer
Operation die eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im
Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch
beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu,
abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(= durch die Operation verursachten) Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen Ba
ndscheiben-Operationen wegen Instabilität
eine Spond
ylodese
(= operative Wir
belsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen Wir
belsäulenversteifung ein Großteil der
Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß die Indikation
(= Anzeige)
zur Ba
ndscheibenoperation in den letzten Jahren immer
mehr eingeschränkt worden ist.
Als Grund für eine Operation ist das Krankheitszeichen "Rückenschmerzen"
oder „Kreuzschmer
zen“
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(= Anzeige)
gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente
(= nichts hilft)
Rückenschmerzen.
Beim sog. Cauda-Synd
rom
(= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Bei
ne), ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie
(= Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Segmentale Rückenschmerzen mit und ohne Schmerzausstrahlungen, können auch von
den Mus
keln neben der Wir
belsäule selbst und/oder den zugehörigen
Sehnen ausgehen (myofaszia
les Synd
rom).
Über den segmentalen Reflexbogen kann auch die benachbarte Seite mit einbezogen
werden, so daß das Bild eines vertebragenen
(= von der Wir
belsäule
ausgehenden) Rückenschmerzes
vorgetäuscht wird.
Häufig haben
Rückenschmerzen auch ihren Ursprung in den
Iliosakralgelenken
(= gelenkartige Verbindung
zwischen Darm- und Kr
euzbein)
(die sog.
Iliosakralg ie) Meist liegen
funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei
Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen
Übergangsbereich
(= unterer Lendenwir
belsäulen-
und oberer Kr
euzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior
superior (= hinterer oberer Darmbeinstachel)
mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Be
ine (Gesä
ß, hinterer und seitlicher Oberschen
kel bis zur Wa
de und evtl. Fe
rse).
Neurologische Ausfälle
(= Ner
venstörungen) bestehen nicht.
Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.
Auch ein sog. Beckenringsynd rom kann mit Kr euzschmerzen einhergehen.
Die Sakralgie bezeichnet Schmerzen in der Kreuzbeingegend, z.B. infolge Kompression (= Einklemmung) der Nervi clunium recurrentes in den Kreuzbeinlöchern, bei Sakralisation (= Verschmelzung des 5 Lendenwirbels mit dem Kr euzbein), häufig mit einer Erkrankung der Iliosakralgelen ke einhergehend.
Der Vollständigkeit halber muß beim Thema "Rückenschmerzen" auch noch das Steißbe in erwähnt werden.
Grobe Hinweise auf die Art
der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Werden Rückenschmerzen bei Beanspruchung der Wir
belsäule verstärkt oder ausgelöst, so
sind die Bewegungssegmente beteiligt. Rückenschmerzen, die von der
Wirbelsäulenfunktion unabhängig sind, sprechen mehr für Störungen im Bereich der
Wirbelkörper.
Rückenschmerzen, die von Mus
keln und deren Bindegewebsumhüllung
ausgehen (sog. muskuloskelettaler oder myofaszialer Ursprung) werden durch
Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls verstärkt, unterliegen aber
häufig klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in der kälteren Jahreszeit
bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Akut auftretende Rückenschmerzen im Rahmen eines LW
S-Syndroms sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch durch eine
akute Segmentblockierung (hpts. kleine Wir
belgelenke) ausgelöst werden.
Akute Schmerzen, die mit einer monoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Ner
venwurzel betreffend)
einhergehen, sind sichere Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls, gleiches gilt
für akute Schmerzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Synd
rom
(= Rückenmarkschädigung mit
Lähmung der Bei
ne).
Rückenschmerzen beim Husten und Pressen sind typisch für
Ner venwurzelkompression
en, z.B. infolge einer
Bandscheibenprotrusion oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(= Ba
ndscheibenvorwölbung
oder gar -vorfall).
Rückenschmerzen, die bei Erschütterung auftreten, können von einer
Spondylitis
(= En
tzündung an der Wir
belsäule)
verursacht werden.
Rückenschmerzen, die bevorzugt nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte (=
allgemeine) Wir
belsäulenerkrankung hin, z.B. Morbus
Bechterew oder
Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild
Rückschlüsse ziehen. Schmerzen und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit
im Bereich ober- und unterhalb des Leistenbandes weisen auf die Ner
venwurzeln L1
(= 1. Segment der Lendenwir
belsäule)
und L2 hin.
Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren Oberschen
kel bemerkbar.
Die
Meralg ia paraesthetica
(= Schmerzstörung im Bereich
des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des
Oberschenkels) ist dagegen eine
periphere
(= mehr oberflächliche)
Ner
venstörung. Schmerzen und Störungen der
(Berührungs-) Empfindlichkeit vom vorderen inneren Oberschen
kel bis zur Schienbeinvorderfläche
reichend, betreffen die Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren
seitlichen Unterschen
kel zum Fu
ßrücken und zur Großze he ziehen, sind L5 zugeordnet,
während die S1-Wurzel
(= 1. Ner
venwurzel im Kr
euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschen
kel, hinteren seitlichen Unterschen
kel, seitlichen Fu ßrand und die Zehen
3-5 verantwortlich ist.
Therapie bei Rückenschmerzen:
Grundsätzlich muß zunächst
versucht werden, durch eine geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten)
eine für die geklagten Rückenschmerzen ursächliche, spezifische
Erkrankung zu entdecken.
Gelingt dies, so wird diese zunächst kausal
(= entsprechend dem Krankheitsbild)
behandelt.
Wenn dennoch Schmerzen verbleiben oder keine eindeutige, spezifisch behandelbare
Schmerzursache gefunden wurde, so sind schmerztherapeutische Behandlungsmethoden
gefragt, die oft bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da sie
sich nunmehr nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig
nach seiner Ursache richten.
Länger bestehende Rückenschmerzen erfordern praktisch immer eine Kombination von
verschiedenen Therapieverfahren.
Medikamentöse Behandlung
bei Rückenschmerzen:
Akut und subakut können bei
Rückenschmerzen zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst
langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und
auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib
(Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®). Bei stärkeren schmerzhaften
Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur
Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber Rückenschmerzen nur mit zentralwirkenden Analgetika
(z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Rückenschmerzen eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutischen
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Rückenschmerzen
sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische
Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Ner
venblockaden.
Infiltrative
Lokalanästhesie
(= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
bei Rückenschmerzen (Dorsalg
ie):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der
meist verspannten, an die Wir
belsäule angrenzenden Mus
kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung
reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere
Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in
der Mus
kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Werden die Rückenschmerzen durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte
Intervertebralgelen
ke
(= kleine Gelen
ke
zwischen den Wirbeln) verursacht,
sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelen
ke erfolgversprechend. Kortison- Zusatz
kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der Beweis für ein "Facetten-Syndrom"
(= Schmerzstörung im
Bereich der kleinen Wirbelgelen
ke) als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer
probatorischen (= zur
Sicherung der Diagnose durchgeführten) Facet
ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge
durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facet
ten sind bei Rückenschmerzen nicht
gesichert.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Ner
venblockaden:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Rückenschmerzen Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner
venwurzeln
(= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben
der Wir
belsäule).
Im Lendenbereich auch kontinuierlich mit Katheter*.
Schmerzausstrahlungen in Schul ter/Ar
m, wie sie beim mittleren/unteren Zervikalsynd
rom in typischer Weise vorkommen,
sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Pl
exus brach
ialis
(= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen
Halsbereich) nach Winnie an.
Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die
kontinuierliche,
retrograd hohe Pl
exus brach ialis -Blockade
mit Katheter (*siehe unten). Die kontinuierliche inters
kalenäre Blockade ist mit einem höheren
Risiko behaftet.
Periphere (=
oberflächliche) Schmerzprojektionen
entlang der
Interkostalner ven
(= Zwischenrippenner
ven) bei Vorliegen
eines BW
S-Syndroms sprechen gut auf wiederholte Inter
kostalblockaden
mit einem örtlichen Betäubungsmittel an. In hartnäckigen Fällen kann die
Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters
(* siehe unten) erhöht werden. Im Bereich der Be
ine können bei entsprechender radikulärer
oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar
geschädigte Ner
venwurzel zurückzuführen sind)
der vordere Oberschen
kelnerv (N. femoral is) und / oder
der Isch
iasnerv wiederholt blockiert werden, in
hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels
gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Ner
ven obturatorius und cutaneus femoris
lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der
Meralgia paraesthetica
(= brennen
de Schmerzen an der
Oberschenkelaußenseite).
Eine Perid uralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung)
im Bereich der Brus t- oder Halswir
belsäule erfordert ein strenge
Nutzen-/Risikoanalyse. Die lumbale Periduralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung im
Lendenbereich), insbesondere
kontinuierlich mit Katheter*, ist bei
Rückenschmerzen bzw. Kr
euzschmerzen eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater
Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Anzeige "Rückenschmerzen" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn eine Perid
uralblockade technisch schwer oder nicht
durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wir
belsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des Pl exus sacral
is (=
Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog.
Kaudalanäst
hesie
(= rückenmarknahe
Betäubung durch einen Kanal im Kr
euzbein
hindurch) an, die auch mit Katheter*
möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En
tzündung
seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man
die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15
%) kann auch der obere Le
ndenbereich erreicht werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten,
rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt
werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit
hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rückenschmerzen kann zur
Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe
unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann
in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze
wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche Prozesse entstanden sind, hilfreich ist.
Physikalische Therapie
bei Rückenschmerzen:
Auch die Elektrostimulation kann eine
Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir
belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge
Patientenauswahl. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei
Rückenschmerzen die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir
verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis
-15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten mit Rückenschmerzen empfinden
allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme
Bäder können ebenfalls Rückenschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Rückenschmerzen nicht sinnvoll.
Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei Rückenschmerzen die heilgymnastische
Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die Mus
kulatur neben der Wir
belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur
eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans
kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
Bei der Anzeige „Rückenschmerzen“ durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Bei
schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen) Veränderungen der Wir
belsäule wird auch eine
Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Die
Magnetfeldtherapie kann Rückenschmerzen ebenfalls lindern.
Andere Therapiemaßnahmen
bei Rückenschmerzen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie
bzw. (Rückenschule)).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Mus
kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem
Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei
Rückenschmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu
einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und
Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychologisch / psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden Rückenschmerzen ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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